Morbus Meniére

Historie

Erstmalig wurde die Krankheit in der Gazette mèdicale de Paris am 21.09.1861 vom französischen Arzt Prosper Menière wie folgt beschrieben und veröffentlicht (Originalbeschreibung):

 

Prosper Menière 1799 - 1862
Prosper Menière
1799 - 1862

In einem bis dahin völlig gesunden Gehörorgan können plötzlich Funktionsstörungen auftreten, die in fortwährenden oder intermittierenden Geräuschen veränderlicher Art bestehen, und mit diesen Geräuschen verbindet sich bald eine mehr oder minder starke Abnahme des Gehörs.

Diese Funktionsstörungen, deren Sitz das innere Gehörorgan ist, können Erscheinungen hervorrufen, die als zerebral gelten, wie Schwindelzustände, unsicherer Gang, Drehbewegungen und Umfallen; sie sind zudem von Übelkeit, Erbrechen und einem synkopalen Zustand begleitet.

Auf diejenigen Erscheinungen, denen die intermittierende Form eigen ist, folgt bald immer stärkere Schwerhörigkeit, und oftmals geht das Gehör fast völlig verloren.

Alles spricht für die Annahme, dass die materielle Schädigung, die der Grund für diese Funktionsstörungen ist, in den Bogengängen sitzt.

(Quelle: Dr. Olaf Michel, Morbus Menière, Thieme Verlag)

Da ich mich auf dieser Homepage in erster Linie auf die Situation der Betroffenen konzentrieren möchte, finden sie medizinische Ausführungen und Beschreibungen über die Krankheit u. a. unter:

www.neuro24.de/s5.htm 
www.dr-roepert.de/schwind2.htm 
www.menieres.org/dietz.htm
http://www.hno-praxis-braunschweig.de/meniere.htm
   
http://www.hno-ringkirche.de/info/mene.htm
(inkl. kleine Skizze, wo sich der Menière im Innenohr abspielt)

http://community.netdoktor.com/ccs/de/hearing/ear/...article_12658

http://www.dgn.org/183.0.html 
Schwindelleitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie
(neu 12.06.2006)

Artikel über Endolymphschwindel im Innenohr -
Wissenschaft entfernt sich wieder etwas vom klassischen M.Menière Trias:
http://www.ukaachen.de/content/page/1247816 

Links aus dem Ausland (engl.)
www.spearsmacleod.com/links/m/meniere'/index.htm 
http://oto.wustl.edu/men/ 

und in jeder Suchmaschine wie z. B. www.google.de, www.ixquick.com, www.yahoo.de unter Eingabe "Menière".

 

Warum ist der Menière für alle Beteiligten so "geheimnisvoll" und "unheimlich"?

Zum einen gibt es in der Geschichte der Medizin keinen vergleichbaren Fall, in dem bereits vor nunmehr 140 Jahren die Symptome einer Krankheit präzise beschrieben, der Ort und Ablauf dieser Erkrankung zutreffend identifiziert wurden und trotz intensiver Forschungsarbeit dennoch die Ursache bzw. der Auslöser nicht aufgeklärt werden konnten.

Eine Art Anfallsleiden, das in akutem Stadium vernichtend wirkt und den Patienten hilflos macht;
eine Krankheit, die gekennzeichnet ist durch Gesetzlosigkeit sowohl in Bezug auf Zeitpunkt und Schwere des Ausbruchs wie auch in Bezug auf ihren weiteren Verlauf; und schliesslich eine Krankheit, bei der bis heute keine Therapiemethode eine Garantie auf Heilung verspricht.

(Quelle: Dr. Olaf Michel, Morbus Menière, Thieme Verlag)

Informationen zu den bisher gängigen Therapievorschlägen wie z. B.:
- Medikamente (Betahistine, Vomex etc.)
- Operationen wie Saccotomie, Neurektomie
- Toxische Ausgiftung des Innenohres durch Gentamycin
finden Sie im Internet (bitte über Suchmaschine finden).

Meine persönliche Meinung zu Therapien - welche operativ oder toxisch durchgeführt werden- ist, dass man immer individuell, in Einbezug des Betroffenen und seiner gesamten Lebensumstände, immer unter Abwägung von Risiko und Nutzen, immer mit dem Gedanken an eventuelle Misserfolge oder Folgeschäden entscheiden sollte. Schließlich werden hier Dinge zerstört, die nicht mehr reparabel sind und es keine Garantie auf sichere Heilung gibt.

 

Prominente Erkrankte

Vincent van Gogh
Vincent van Gogh

Allein durch sein Selbstbildnis mit einem bandagierten Ohr, wurde wohl Vincent van Gogh (1853-1890) zu einem der bekanntesten Menschen, der ebenfalls unter der meniérischen Krankheit litt (wie Kaufmann, I. Arenberg und Mitarb. (1991) anhand von persönlichen Aufzeichnungen van Goghs herausfanden.)

Bereits 1884 -1890 verfasste der Maler Briefe an seine Freunde und Familie, in denen er besorgt über seine Beschwerden wie Schwindel, Gleichgewichtsprobleme, Lärmempfindlichkeit und Ohrgeräusche schrieb. Kaufmann und Mitarb. gehen in ihrer Interpretation soweit, dass diese Dinge wahrscheinlich auch die Ursache für seine Selbstverstümmelung und später sogar auch für seinen Freitod waren.
Ob van Gogh zusätzlich an Syphillis und Alkohol-Mißbrauch litt, ist bis heute nicht ganz geklärt.

(Quelle: Dr. Olaf Michel, M. Menière, Thieme Verlag)

 

Inzwischen ist fast sicher, dass auch Männer wie
Martin Luther
Jonathan Swift
Julius Cäsar und
Kyoshiro Yamakawa  
unter dem meniérischem Symptomkomplex gelitten haben.

 

Nicht jeder Schwindel ist ein Morbus Menière

Nicht jeder, der mal ein Schwindelgefühl oder auch eine Schwindelattacke erleidet, hat einen Menière. Schwindel kann sehr viele Ursachen haben. Daher sollte der Betroffene versuchen, dem Arzt ganz genau seine Schwindelbeschwerden und ggf. Begleiterscheinungen zu schildern. Vieles kann dadurch schon ausgeschlossen bzw. in Erwägung gezogen werden.

Einer ärztlichen Abklärung bedürfen Schwindelbeschwerden jeglicher Art in jedem Fall!

Ein Morbus Menière ist gerade am Anfang sehr schwer zu diagnostizieren, da meist noch nicht alle typischen Symptome wie Schwindel, Ohrgeräusche, Ohrendruck und Hörausfälle vorhanden oder ausgeprägt sind. Vielen Betroffenen bleibt es daher leider nicht erspart, einen sogenannten "Untersuchungsapparat" zu durchlaufen, um alle anderen Ursachen auszuschließen und der M. Menière quasi als Auslöser übrig bleibt. Bildet sich das Krankheitsbild dann immer mehr heraus, wird man auch rückblickend erkennen können, welche ersten Anzeichen und Beschwerden in vergangener Zeit schon eine Art "Vorbote" des Menière waren. So berichten es viele Betroffene.

http://www.medizinfo.de/kopfundseele/schwindel/start.shtml

Sonderformen bei M. Menière

Seitenhäufigkeit
Bis auf wenige Ausnahmen wie Jongkees (1971), der eine bds. Betroffenheit mit 78 % angab, liegen die statistischen Angaben für eine beidseitige Betroffenheit der Ohren bei M. Menière bei einem bilateralen Geschehen zwischen 5 und 29 %.
(Kitahara u. Mitarb.1979, Pfaltz u. Matèfi 1981, Kaschke u. Mitarb. 1990)

Tumarkin-Anfall
Der Arzt Tumarkin beschrieb 1936 plötzliche Sturzepisoden bei Menière-Kranken, welche unabhängig von den typischen Anfällen auftreten.
Wie ein " Blitz aus heiterem Himmel".
Der klinische Verlauf ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Black und Mitarb. (1982) fanden diese Anfälle gehäuft im späteren Verlauf der Krankheit.

Tullio-Phänomen
Beim Tullio-Phänomen wird der Schwindel durch Lärmeinwirkung ausgelöst. (Tullio 1919, 1930).
Hierbei kommt der Sakkulus mit der Fußplatte im Innenohr in Berührung.
Bei Gesunden stellt man dieses Phänomen auch fest, hier aber erst bei Lautstärken oberhalb von 130 db.

Lermoyez-Syndrom
1919 beschrieb Lermoyez eine Krankheitsform, bei dem die gleichen Symptome wie bei einem Morbus Menière auftraten - nur in umgekehrter Reihenfolge.
Hier treten die Symptome wie Ohrgeräusch und Hörverlust vor den Gleichgewichtserscheinungen auf. Die Hörminderung verstärkt sich, bis starker Schwindel einsetzt.
In kurzer Zeit erholt sich dann das Gehör.
Bis heute ist man sich nicht sicher, ob das Lermoyez Syndrom eine eigenständige Krankheit oder doch eine Variante des M. Menière darstellt.
Es besteht zwar kein endolymphatischer Hydrops, wie für Menière typisch, aber der nahezu gleiche Verlauf der Nystagmus-Phasen.
(Quelle: Morbus Menière, Dr. Olaf Michel, Thieme Verlag )

Detaillierte Angaben entnehmen Sie bitte aus der Lektüre oder unter der direkten Sucheingabe im Internet.

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