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Menière und Tinnitus
MM & Dauerschwindel
MM in der Sozialmedizin
Interessantes aus England

 

 

Andreas schreibt:

Juli 2003

Hallo Ina,

vielleicht erinnerst Du Dich noch an mich (knapp 42)? Wir hatten im letzten Jahr Kontakt i. S. MM. Da ging es um eine Reise ans Mittelmeer und Flugtauglichkeit. Wollte mich mal wieder melden und Dir und vielen anderen MM's, die Deine Seite aufrufen, meine Neuigkeiten berichten.

Ich habe mich bis Ende 2002 so durch meinen Alltag und das Berufsleben gequält. Ende des Jahres - spätestens nach einer Notaufnahme in einem Berliner Krankenhaus - habe ich mich schließlich entschlossen, einen Kurantrag zu stellen. Der Antrag wurde schnell und völlig unkompliziert bewilligt. War dann im März / April 2003 in Heringsdorf (Inselklinik Haus Kulm) zu einem 4-wöchigen Aufenthalt.

Anwendungen:
Tinnitus-Bewältigungsgruppe, Muskelrelaxation nach Jacobsen, Atementspannung, Qi Gong, Akupunktur, psychologische Gespräche, Hyper-Bar-Sauerstoffdruckkammer, Sport-Therapie. Leider keine Menière-Gruppe und auch keine Medikation.

Erfolge:
Erholung und Entspannung an der Ostsee optimal. Entspannungstechniken, insbesondere Qi Gong sehr empfehlenswert. Nach anfänglicher Verbesserung für ca. 2 Wochen aber plötzlicher Rückfall ab der 3. Woche. Man kann beinahe sagen, dass es mir fast schlechter als Zuhause ging. Hätte sogar eine 5 Woche bekommen können, wollte dann aber wieder zurück zu meiner Familie. Wer in Erwägung zieht, die Drucktherapie zu versuchen, unbedingt vorher die Krankenkasse konsultieren. Die Sitzungen sind "vergoldet" und die Kassen machen in der Regel Ärger mit der Erstattung.

Seither versuche ich mich, mit der Krankheit zu arrangieren. Ich hatte schon Land gesehen, als meine Anfälle nur alle 7-8 Wochen auftraten. Das war im Herbst letzten Jahres. Leider hat sich die Lage zwischenzeitlich sehr verschlechtert. Momentan erwischt es mich ca. jeden dritten Tag. Bin dann zwischen 3 und 8 Stunden nahezu völlig ausgeschaltet. Bei leichten Anfällen versuche ich mich mit einer größeren Dosis Bethahistin über die Runden zu bringen. Bei schweren Anfällen geht es nur mit Vomex-Zäpfchen. Die wirken aber auf's zentrale Nervensystem, so dass außer Schlafen gar nichts mehr geht. Nach Abklingen des Anfalls fühle ich mich zwar sehr erschöpft und gerädert, kann dann im Prinzip wieder alle Tätigkeiten verrichten. Mein Gehör ist auf der rechten Seite leider enorm schlecht geworden. Im Übrigen quält mich ein 24-stündiger Tinnitus (Pfeifton), der sich meines Erachtens auch verschlimmert hat.

Ich habe zum Glück eine sehr verständnisvolle Frau, die mich im Notfall von der Arbeit abholen würde -und auch schon hat- und mir dann einige Stunden die nötige Ruhe verschafft. Mit meiner Dienststelle habe ich die Verabredung getroffen, dass ich zu Hause bleibe oder dorthin gehe, wenn sich ein Anfall abzeichnet. Das ist ihr so lieber, denn die übrigen Tage bin ich voll leistungsfähig, als dass ich am Stück wochenlang krank geschrieben bin.

Nach meiner Kur habe ich meine HNO-Ärztin gewechselt. Seither habe ich ich Gincko-Injektionen, Vasomotal, Equamen, Durchblutungspräparate, Vomex und Infusionen erhalten. Da spielt aber offenbar der Glaube eine große Rolle. Tatsächlich bin ich aber nicht überzeugt davon, dass die genannten Präparate - abgesehen von Vomex - auch tatsächlich Wirkung entfalten. So musste ich heute unmittelbar nach einer Infusion schwer schwindelig durch den Berufsverkehr nach Hause torkeln und habe alle Kraft zusammen genommen, mich in der Untergrundbahn nicht übergeben zu müssen. Die meisten Passanten werden eh' gedacht haben, dass der total besoffen ist....

Habe beim Versorgungsamt Berlin einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt. Darüber ist noch nicht befunden worden. Außerdem werde ich voraussichtlich ein Hörgerät beantragen. Ein Tinnitus-Masker wird - so berichtet jedenfalls die Fachliteratur - nichts nützen, weil mein Gehör rechts schon so schlecht ist. Die Töne kommen dumpf und in der Regel verzerrt an. Insbesondere habe ich bei Stimmengewirr und Hintergrundgeräuschen - etwa eines Restaurants oder einer Kantine - große Probleme, meinen Gesprächspartner richtig zu verstehen.

Ich bin eigentlich nicht so mutlos, wie sich das im Text vielleicht anhört. Das waren die komprimierten Ereignisse der letzten Monate. Ich müsste allerdings schwindeln, wenn ich bei einem schweren Anfall nicht manchmal einfach ins Kissen heulen möchte, weil ich in diesem Moment nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Danach scheint aber immer wieder die Sonne. 

Ich wünsche Dir und allen anderen Betroffenen viel Mut und gute Besserung. Falls brauchbar, kann der Text auf Deine Seite.

Liebe Grüße
Andreas

 

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