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Menière und Tinnitus
MM & Dauerschwindel
MM in der Sozialmedizin
Interessantes aus England

 

 

- MM 2 -

Eine Mitbetroffene schreibt:

1994 wurde bei mir die Diagnose MM gestellt. Damals war ich 16 Jahre alt. Ich hatte vorher Jahre lang, ohne Erfolg, Kreislaufmedikamente geschluckt um meine ständigen Schwindelattacken zu bekämpfen. Eines nachts wachte ich auf, weil mir schwindelig und schlecht war. Ich bin ins Bad, und merkte auf dem Weg dorthin, dass ich das nicht mehr schaffen würde. Also bin ich umgekehrt, wollte in das Zimmer meines Bruders und bin dann im Flur einfach weggesackt. Mein Kopf machte Bekanntschaft mit der Wand und dem Fußboden.

Als ich dann einige Minuten später durch meinen Bruder "wachgeschlagen" wurde, ging das Erbrechen los. Ich bin noch nie in meinem ganzen Leben so extrem Karussell gefahren wie damals. Gott sei Dank auch nicht wieder. Meine Eltern packten mich ins Bett und versorgten mich mit einem Eimer und kalten Waschlappen für´s Gesicht. Ein paar Stunden später haben sie mich ins Krankenhaus gebracht.

Dort wusste aber auch keiner so recht etwas mit mir anzufangen. Das war Freitags nacht. Am Sonntag wurde ich dann in ein anderes Krankenhaus verlegt. Der Schwindel und der Brechreiz dauerten weiterhin an! Ich dachte, das wäre mein Ende. Nie in meinem ganzen Leben habe ich mich so schrecklich gefühlt. Ich wurde künstlich ernährt, weil ich ja nichts bei mir halten konnte. Ich habe (laut den Erzählungen meiner Eltern, ich selbst befand mich glaub ich in einem komischen Dämmerzustand) die ganze Zeit gewimmert, dass ich das nicht mehr aushalten würde. Gott sei Dank gab es in der anderen Klinik einen Arzt, der die Situation sofort erkannte und mich mit einer Infusion versorgte, die innerhalb Stunden Besserung brachte. Die Welt blieb endlich wieder stehen.

Durch den Aufprall gegen die Wand und auf den Fußboden, hatte ich einen Hörsturz, den natürlich vorher auch keiner bemerkt hatte. Laut den Ärzten hatte ich ja eh nur halluziniert.... Ich habe damals einen Großteil meines Gehörs auf der linken Seite verloren, eine Nebenwirkung des MM, mit der ich mich eigentlich abgefunden habe. Es hat auch seine guten Seiten, da ich so den anhaltenden Tinnitus nicht ganz so laut höre.

Nach gestellter Diagnose wurde ich wieder in die Hände meines HNO-Arztes gegeben, der meinen Eltern und mir sagte, das wäre es jetzt und nach der Cortison-Therapie könnte man nichts weiter für mich tun. Ich würde voraussichtlich mit 20 nicht mehr gerade stehen können und sollte mich schon mal darauf einstellen. Die Anfälle würden jetzt immer heftiger und in immer kürzeren Abständen folgen und das war´s dann. Ich war am Boden zerstört...

Man hat sich danach nicht weiter um mich gekümmert. Ich bekam eine 10-tägige Cortison-Therapie, die auch gewirkt hat und wurde dann entlassen. Es gab keine weiteren Untersuchungen, keine Gespräche, keine Medikamente, keine Tipps oder ähnliches. Für meinen HNO-Arzt war das Thema erledigt.

7 Jahre lang habe ich nichts von MM gespürt.

Dann fing es langsam wieder an. Unwohlsein, Druckgefühl, verstärkter Tinnitus etc..Mein HNO-Arzt meinte, ich sollte mich nicht so anstellen und schickte mich nach Hause. Ein Anfall im Büro meines Chefs brachte dann etwas Positives mit sich. Ich quälte mich schon seit Monaten wieder mit MM, aus Angst vor Simulations-Vorwürfen ging ich aber nicht zum Arzt.

Als mein Chef mich zusammengesackt und kreidebleich, zitternd und völlig orientierungslos in meinem Büro fand, fragte er mich geradeaus, ob ich an Morbus Meniére leiden würde. Ich war geschockt. Ich dachte, jetzt kannst du deinen Job und alles vergessen. Woher weiß er, was mit dir los ist?

Aber im Gegenteil. Mein Chef erzählte mir von seinem Schwiegervater, der ebenfalls an MM gelitten hatte und empfahl mir einen guten HNO-Arzt in unserer Nähe. Er ließ mich sofort von einem Kollegen nach Hause fahren. Und verordnete mir den Rest der Woche Ruhe und Freizeit.

Ich habe dann diesen HNO-Arzt aufgesucht und war wirklich positiv überrascht. Er hat mich ernst genommen! Er war geschockt über das Verhalten seines "Kollegen" und verschrieb mir Bethahistin. Ich weiß nicht, ob es die Medikamente waren, oder eher der Zustand, dass mir endlich geholfen wurde, es ging mir besser.

Der große Rückschlag kam dann, als ein guter Freund von mir sich umbrachte. Ich fiel in ein großes Loch und MM war schlagartig in aller Heftigkeit zurück. Ich wurde ins Krankenhaus gebracht, bekam wiederum eine Cortison-Therapie und dämmerte vor mich hin. Man machte den BERA-Test, den Klockhoff-Test, ich kam in die Röhre und und und.... Die Diagnose blieb die gleiche: MM.

Mich aus dieser Situation wieder hoch zu rappeln, war nicht leicht. Mein Chef bot mir an, erst mal halbtags wieder einzusteigen und langsam wieder hoch zu kommen. Leider hat die Firma vor ca. 1 Jahr Insolvenz anmelden müssen und alle Mitarbeiter wurden gekündigt. Nach einer Stelle mit extremen Mobbing-Problemen und 6 Wochen Arbeitslosigkeit, habe ich nun eine Arbeitsstelle gefunden, bei der ich es aushalten kann. 

Es ist nicht mein Traumjob und ich will auch nicht ewig da bleiben, aber ich kann es bewältigen. Meinem MM tut diese Unzufriedenheit allerdings nicht wirklich gut.

Es mag auch an diesen Wetterumschwüngen liegen, aber im Moment geht mein Ohr wieder kreuz und quer. Und was das Schlimmste ist. Das rechte Ohr fängt an zu Piepen und es entwickelt sich ein Druckgefühl....

Ich kann nur hoffen, dass es jetzt nicht auch noch mein "gesundes" Ohr erwischt. Womit soll ich denn dann telefonieren????????

Eigentlich bin ich immer ein Optimist gewesen. Ich habe immer versucht, das Positive zu sehen und an die Zeit nach diesen Anfällen zu denken. Es gibt Zeiträume, da bin ich wochenlang anfallfrei. Und manchmal kommt es 3 x am Tag.

Bis jetzt kann ich einen Anfall voraussagen. Erst kommt der Druck, dann das Piepen, dann die Übelkeit und wenn ich Pech habe, dann der Schwindel.

Meine Angst ist, den Tag zu überstehen. Morgens aufzustehen, zur Arbeit zu fahren, hoffentlich passiert es nicht im Auto, hoffentlich passiert es nicht auf der Arbeit, hoffentlich passiert es nicht auf der Party, hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich. Wenn ich dann mal krank bin, plagt mich das schlechte Gewissen.

Ist das normal? Dass man sein ganzes Leben davon beherrschen lässt?

Hinzu kommt, dass ich durch diese Cortison-Therapien ein sehr stark geschwächtes Immun-System habe und unendlich viele Allergien entwickelt habe. Antihistaminika vertragen sich aber nicht mit z. B. Bethahistin. Und so muss ich immer auf´s Neue abwägen, was mir zur Zeit wichtiger ist. Gerade stehen oder mich nicht bis auf´s Blut zerkratzen, keine Luft zu bekommen oder ähnliches.

Ich würde gerne Erfahrungen austauschen und vor allen Dingen Mut sammeln, mein weiteres Leben in Angriff zu nehmen.

Ich bin sehr froh, dass es meinen Freund, meine Clique und solche Leute wie Dich gibt, die nicht einfach nur zusehen, sondern versuchen zu helfen.

 

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