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Menière und Tinnitus
MM & Dauerschwindel
MM in der Sozialmedizin
Interessantes aus England

 

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Ein MM Patient schrieb :

Beschreibung meines Krankheitsbildes und die Auswirkungen nach innen:

1. Die MM Attacke.

2. Zustand nach der MM Attacke.

3. Dauerschwindel.

4. Sekundenschwindel.



Zu 1:

Die meisten Anfälle habe ich eindeutig im Frühjahr - 3 in zwei Wochen. Zur Zeit - im Sommer - reduzieren sich die Anfälle auf einen - in 2/3 Wochen. Hierbei muss ich sagen, dass ich das Gefühl habe, dass sie in ihrer Heftigkeit abnehmen. Die anfänglichen 30 Minuten Attacken mit totaler Unfähigkeit mein Umfeld wahr zu nehmen, haben sich auf 5minütige Anfälle reduziert, wobei ich auch teilweise ein wenig meine Umgebung erkennen kann. Ich muss mich auch nicht mehr so oft übergeben, wie am Anfang. Dann benutze ich ein Zäpfchen und es ist ertragbar. Ist vielleicht aber auch so, dass ich mich schon daran gewöhnt habe und nicht mehr gleich so hysterisch werde, was sicherlich die Anfälle verschlimmert. 



Zu 2: 

Während ich unter „1" in erster Linie die für mich wahrnehmbaren Dinge beschrieben habe, sind die Nachwehen nach Attacken sehr schlimm für mein Inneres. Da bin ich - meist für 2/3 Tage nicht wieder zu erkennen. Was sich da in mir abspielt, das ist mir ein Rätsel. Nur alleine sein wollen, Desinteresse an ALLEM und antriebslos zum erschrecken. Nennt man wohl Depression. Egal wie logisch ich dagegen anzugehen versuche - es hilft NICHTS. Ich bin ein logisch denkender Mensch und dass ich da einfach keinen positiven Gedanken produzieren kann, das belastet mich sehr. Ich habe mittlerweile mehr Angst vor der „Zeit danach", als vor den eigentlichen Anfällen. Da muss doch irgendetwas in mir drinnen durcheinander gewirbelt werden. Wenn Ihr Lust auf Fragen habt, die dann immer wieder auftauchen - Vorsicht, poetisch zusammengefasst:



Bäche der Verzweiflung fließen in mir.

Was tu ich auf dieser Erde hier?

Was macht mir meine Seele wund?

Bin negativ, zu jeder Stund.

Was zieht mich so schrecklich in die Tiefe?

Was nützte es, wenn ich um Hilfe riefe?

Wo kommen sie her,

die Gedanken so schwer?

Wie kann ich nur so etwas schreiben,

wollt’ doch immer fröhlich bleiben?

Wer steuert die Gedanken mir?

Dass sie nur schwarz - kann nichts dafür.

So oder so ähnlich geht’s mir dann. Es braucht viel Zeit, dieses negative Denken zu akzeptieren und es so zu betrachten, als ob es „einfach dazu gehört". Dann komme ich aber wieder heraus aus dem Loch und bin der optimistische Typ, der ich immer war und sein werde!! Die Wolken verschwinden und ich sehe wieder das Schöne. 



Zu 3:

Auch wenn ich unter den Nachwirkungen der Anfälle leide - viel mehr Kummer macht mir der Dauerschwindel. Wobei hier der Wortteil „Schwindel" zu vernachlässigen wäre, wenn es nicht den Teil „Dauer" gäbe. Den habe ich IMMER, jedoch in unterschiedlichen Schweregraden. Den „gewöhnlichen" habe ich schon ganz gut im Griff - der kann mich nicht mehr. Da nehme ich eine bestimmte, teilweise starre, Kopfhaltung ein und dann geht das einigermaßen. Habe mich auch daran gewöhnt, in „Wasser" zu laufen oder auf Matratzen. Das Problem ist, dass es nicht immer bei der ertragbaren Variante bleibt: Wenn er sich verstärkt - wodurch auch immer - dann ist das für mich ein Stopzeichen für alle Aktivitäten und Bemühungen, am Leben teilzunehmen. Für jede schnelle Kopfbewegung werde ich bestraft - ich kann keine schnellen Bewegungen sehen - ich stoße an - ich versuche gaaanz ruhig irgendwo zu liegen, ohne meinen Kopf bewegen zu müssen - ich kann mich selbst im Bett nicht auf die andere Seite legen (obwohl jede Nacht ein Notlichtchen brennt) - ich versuche, die Augen immer offen zu haben - ich kann keine Treppen laufen (besonders runter). Mein Kopf scheint oben offen zu sein und ich muss versuchen, zu verhindern, dass mein Gehirn überschwappt - das geht nur mit einer extremen Kopfhaltung. In der REHA hatten sie dann einen so genannten „Schiefhals" festgestellt. Das macht mir jede Menge Verspannungen im HW Bereich. 

Ich habe mich mittlerweile schon gefragt, wenn ich denn zwischen den zwei Übeln zu wählen hätte (so etwas würde man tragisch nennen), ob ich mich nicht lieber für die MM Attacken entscheiden würde. Da hätte man doch immer ein bisschen Zeit, sich zu erholen und sie gehen vorüber, sogar die Abtauchphasen. In der Form habe ich das auch dem Leitenden Arzt meiner REHA Klinik gesagt (und allen anderen Ärzten, mit denen ich schon zu tun hatte) - er (und die anderen) ist (sind) überhaupt nicht darauf eingegangen!!! Es scheint bequemer, sich mit bekannten Krankheitsbildern abzugeben, als zu versuchen im Trüben zu fischen. Was da immer wieder weh tut, ist die Tatsache, dass sie nicht verstehen und anerkennen wollen, wie sehr man unter dem Dauerschwindel leidet!!



Zu 4:

Als einen der Höhepunkte eines jeden Dauerschwindels gesellt sich ab und zu als Garnierung noch ein extremer Sekundenschwindel dazu. Weniger als eine MM Attacke, aber viel mehr als der Dauerschwindel. Da bin ich schon öfter gegen die Wand gefallen oder habe nach etwas gegriffen, das zum festhalten nicht geeignet war. Es sind aber wirklich nur Bruchteile von Sekunden, so, als ob jemand ganz gewaltig das Gehirn schüttelt. Diese Sekundenattacken sind eher selten - aber sie sind da und stören.



Jetzt lasst Euch das alles mal auf der Zunge zergehen und denkt ja nicht, dass das schon mein Abgesang wäre. Nein, im Gegenteil, ich merke, dass es mir gut getan hat, diese Dinge mal zu dokumentieren! Ich bin und bleibe Optimist und hoffe sehnlichst auf den Tag, an dem ich rückblickend über „die schlimme Zeit von damals" reden werde ;o))))

Habe da ein paar nette Sachen von Marie von Ebner-Eschenbach gefunden:

Ich denke nun schon ein paar Jahre,

aber ich kann mich nicht daran gewöhnen.

Sich mit wenig begnügen ist schwer,

sich mit viel begnügen noch schwerer.

Im Unglück finden wir meist die Ruhe wieder,

die uns durch die Furcht vor dem Unglück geraubt wurde.

Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen.

Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.



Lasst uns versuchen, gelassener zu werden!


 

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