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Menière und Tinnitus
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zum Seitenanfang  Meine Rehamaßnahme - was war Sinn, was Nutzen ?

Als ich noch nicht die Diagnose Menière, sondern bis dahin immer einen vestibulären Schwindel diagnostiziert bekam, dachte ich, es könnte mir vielleicht eine Rehamassnahme in einer Klinik helfen.

Ich stellte im Sommer einen Antrag bei meiner Rentenversicherung, im Herbst bekam ich dann die Bewilligung.
Es sollte in eine Klinik gehen, die über 500 km von meinem Heimatort entfernt liegt, dabei gibt es auch Kliniken mit gleicher Indikation in viel näherer Umgebung...

Da ich mit meinem Schwindel eine derart weite Strecke nicht bewerkstelligen kann, dachte ich damals noch ganz naiv, dass dieses als Grund reichen muss, damit ich in einer anderen Klinik
untergebracht werden würde......

Trotz ärztlichem Attest erkannte es die Versicherung nicht an, die gewählte Klinik sei genau die richtige.... 
Naja, eine Klinik mit Hauptaugenmerk auf Tinnitus und etwas
Gleichgewichtsprobleme ist also bei Schwindel genau richtig......??

Netterweise gestand man mir dann aber eine Begleitperson zu. Schön dachte ich, so kann mich wenigstens jemand auf dem Bahnsteig festhalten, wenn ich taumele oder die Brechtüte halten, wenn ich mich bei der langen Fahrt übergeben muss. Wie mitfühlend doch an einen gedacht wird.

Meine Krankenkasse bat ich vergeblich um Unterstützung in diesem Prozess. Sie setzten der Sache sogar noch die Krone auf und drohten, dass sie mir mein Krankengeld streichen, wenn ich nicht fahren würde. Ich war völlig überwältigt, wie sehr man doch einem kranken Menschen bei Problemen Hilfe entgegen bringt.

Der Tag der Anreise war gekommen. Der ICE fuhr los, über 200 km/h waren es mindestens, die da am Fenster vorbeirauschten und mir teilweise die Sinne schwinde(l)n ließen.

In Frankfurt mussten wir umsteigen. Gut, dass ich meine Begleitung dabei hatte, denn sie konnte mir einen Kofferkuli an die Zugtür bringen, auf dem ich mich stützen konnte, um nicht gleich hinzufallen. Torkelnd suchte ich das andere Gleis, wo wir in den nächsten Zug steigen mussten.

Eine Regionalbahn, die konnte ja nicht so schnell fahren, dachte ich mir noch....
Nein, schnell fuhr sie nicht, aber in Höhe der Pfalz legte sie sich so schräg in die Kurven, dass selbst meiner Begleitung etwas anders wurde. Vor mir war ein kleines Plastiktischchen. Hier klammerte ich mich mit beiden Armen fest, mein Magen drehte sich, die Tränen liefen über das Gesicht und ich dachte, gleich muss ich sterben.

Eine enorme Wut kroch in mir hoch, eine Wut auf all jene, denen ich diese Situation zu verdanken hatte. Ich wünschte ihnen nicht viel, aber einmal diesen Schwindel, wie ich ihn spürte, das wünschte ich ihnen von Herzen !

Am Zielbahnhof fiel ich fast aus dem Zug auf den Bahnsteig, ich lief wie sturzbetrunken, musste mich an Wänden entlang tasten. Die Mitreisenden schauten schon, was sie dachten, war mir egal.

In der Klinik angekommen, fuhr ich in meinem Kopf immer noch mit dem Zug, der Schwindel war stark. Abendbrot konnte ich keines essen. Am nächsten Tag wurde ich bei meiner Ärztin vorstellig. Sicherlich eine HNO-Ärztin, dachte ich mir. Denn was läge näher bei Tinnitus. 

Ich wurde in die Tinnitus-Abteilung eingeteilt, obwohl ich mit dem Schwindel in einer anderen Abteilung besser aufgehoben wäre. Das stellte ich vor Ort fest, aber eine Umlegung war angeblich nun nicht mehr möglich, auch schön.

Die Ärztin war keine HNO-Ärztin, das merkte ich ziemlich schnell, denn nicht mein Schwindel, sondern alle anderen Dinge wie Blutdruck, Gewicht etc. wurden vorrangig besprochen. Ich werde sicherlich morgen von einem Facharzt untersucht werden, da war ich mir sicher.... 

Ich wurde weder morgen, noch in den anderen 5 Wo je von einem Facharzt untersucht. Na ja, warum auch eine HNO Untersuchung in einer Tinnitusabteilung, ist ja auch völlig abwegig....

Die gesamte Rehazeit wurde kaum oder gar nicht auf meinen Schwindel eingegangen. Ich brauche am Morgen sehr lange, bis ich einigermaßen laufen kann, daher erbat ich keine Anwendungen vor dem Frühstück.

Immer wieder fand ich Termine, die um 7.00 angesetzt worden sind, immer wieder betonte ich, dass mir diese Termine nicht möglich sind - irgendwann gab ich es auf.

Alle sportlichen Aktivitäten - und das waren nicht wenig - konnte ich zum Teil gar nicht mitmachen. Auch einige andere Dinge bei Therapien fielen mir sehr schwer. Ich versuchte alles, aber wenn es nicht ging, ließ ich es bleiben. Ich wäre ja noch so jung, das müsste ich doch können, hörte ich dann immer wieder. 

Was Schwindelempfinden mit Alter zu tun hat, ist mir bis heute noch völlig schleierhaft.

Desweiteren setzte man mir Termine über Tinnitus-Vorträge in meinen Plan, dabei hatte ich damals noch keinen Tinnitus. Warum sollte ich mich also mit diesen Dingen zusätzlich belasten ? Reichte mein Schwindel alleine denn nicht aus ?

Auf 1000 kcal wurde ich gesetzt, ich sollte etwas Gewicht verlieren. Man machte mir das Essen und das Abnehmen, neben dem Schwindel, zu einem Problem, was mich vor Rehaantritt gar nicht so belastet hat, wie es das jetzt tat.

Auch die Arztgespräche gingen hauptsächlich in diese Richtung, der Schwindel lief immer wie ein kleines Beiboot nebenher. Meine ganzen sozialen Probleme, die ich durch den Schwindel hatte, konnte ich das erste Mal bei der Sozialberaterin loswerden. Die Psychologen drehten die Sache einfach um. Ich habe Probleme, deshalb habe ich Schwindel. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Ich verlor meine Arbeit durch den Schwindel und nun soll alles mgekehrt sein ? Woher nimmt sich ein Mensch das Recht, derart die Tatsachen zu verdrehen und mir einfach nicht zuzuhören, fragte ich mich.

Nach 6 Wo. war es vollbracht. Ich fuhr nach Hause. Nachdem ich erst als gesund entlassen werden sollte, obwohl mein Schwindel unverändert vorherrschte, mir dann der Kragen platzte und ich um ein Gespräch mit der Chefärztin bat, hat man mich dann doch als nicht gesund entlassen.

Einige Wochen später kam der Abschlußbericht. Ich las ihn mit Interesse und fragte mich dabei die ganze Zeit, von wem hier wohl die Rede sein mag......
Ich erkannte meinen Aufenthalt so gut wie gar nicht wieder. 

Es fing damit an, dass ich angeblich ein total saniertes Gebiss hätte - mein Gebiss ist naturgesund, kein Karies, kein Zahnstein, alles bestens.

Bei Untersuchungen wurden Fallneigungen und Gangabweichungen festgestellt, dennoch wäre mein Schwindel aber eher psychischer Natur. 

Ich hätte am Terraintraining teilgenommen - ein Training, wo man in der Gruppe zügig durch den nahen Wald über Stock und Stein wandert. Ich habe daran nie teilgenommen, wie sollte ich auch ?

Ich wurde als nicht gesund entlassen, da ich psychisch überlastet wäre...... - dabei hatte ich einfach weiterhin meinen Schwindel, den die ganze Zeit keiner so recht sehen und darüber reden wollte.

So konnte und wollte ich den Bericht nicht stehen lassen und verfasste eine Gegendarstellung. Diese ließ ich der Versicherung - als zuständigen Kostenträger - und der Klinik zukommen.

Man schmetterte alle Argumente meinerseits ab, am Ende wurde geschrieben, dass ich wohl einfach psychisch zu überlastet gewesen sei, um zu merken, wie bemüht man doch um mich gewesen wäre....
Somit stand ich als Querulantin da, die psychisch nichts auf die Reihe bekommen hat, na wie nett.

Fazit ist, dass der gesamte Aufenthalt in dieser Klinik ein Kostenaufwand war, der in keinem Falle im Verhältnis zum Ergebnis, geschweige zum Nutzen stand, wie es bei einer Reha eigentlich gedacht gewesen wäre.

Klar ist, dass absolut keinem damit gedient ist, weder dem  Patienten, der Klinik noch dem Kostenträger, wenn man einen Patienten in eine Klinik mit unzureichender Indikation und zu wenig qualifiziertem Personal schickt.

Der Patient fühlt sich am falschen Platz, kann mit dem Therapieangebot nicht so viel anfangen wie erhofft, Ärzte sind überfordert und versuchen ihre Unwissenheit hinter Mutmaßungen oder Vorverurteilungen zu verbergen, die niemand überprüfen kann und der Kostenträger gibt Geld aus, was er hätte ebenso zum Fenster hinaus werfen können, obwohl die Sozialkassen doch so leer sind......

Ein Umdenken wäre sicherlich von Vorteil und wenn das neue SGB IX besagt, dass berechtigten Wünschen des Leitungsempfängers entsprochen wird, so sollte das auch für die Wahl einer Rehaklinik gelten, die der Betroffene oftmals gemeinsam mit seinem Arzt trifft.

Denn nur der Betroffene selbst und sein behandelnder Arzt wissen wohl am besten , was geeignet und nützlich sein könnte, niemand anderes !

 

 

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