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Menière und Tinnitus
MM & Dauerschwindel
MM in der Sozialmedizin
Interessantes aus England

 

 

Mein persönlicher Bericht

Es begann schon während meiner Ausbildung im Winter 1997. Immer wieder hatte ich ganz merkwürdige Schwindelgefühle und mir wurde übel. Ich befand mich im letzten Ausbildungsjahr, die Prüfung stand vor der Tür und ich schob meine Beschwerden zu der Zeit einfach auf den ganzen Lernstress.

 

Nach der Abschlussprüfung - ich lernte bei der Stadtverwaltung - ließ der knappe Haushalt keine Weiterbeschäftigung (außer einem halben Jahr im Angestelltenverhältnis) zu.

Uns Prüflingen stand nun eine unsichere Zukunftsperspektive bevor. Gerade mit einer speziellen Ausbildung im öffentlichen Dienst ist es nicht leicht, einen neuen Job z. B. in der Privatwirtschaft zu finden.

Ich arbeitete dann ein halbes Jahr im Jugendamt und hier wurden meine ständigen Schwindelbeschwerden immer massiver. Ich konnte mein Auto nicht direkt vor dem Amt parken und musste eine kleine Wegstrecke vom Parkplatz aus zu Fuß hinter mich legen.

Eines Tages konnte ich diesen Weg nicht mehr laufen, da ich das Gefühl hatte, wie betrunken zu sein. Ich sah keine andere Wahl, als nun direkt am Parkscheinautomat vor dem Büro zu parken und zahlte in dieser Zeit horende Summen für Tickets, Parkscheine usw. Normal fand ich das nun langsam nicht mehr, da ich mich auch in meiner Arbeitsfähigkeit und meiner Leistung immer mehr gehindert fühlte.

Ich schob immer neue Gründe vor, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen, weil ich es nicht wahrhaben wollte, dass mich eigentlich nur dieser Schwindel so fertig machte. Ich wurde dann sehr oft krank, sogar so massiv, dass ich ins Krankenhaus musste, da meine Blutwerte ganz schlecht waren. Die Ärzte fanden im Grunde nichts und heute bin ich mir sicher, dass es einfach nur der enorme psychische Druck war.

In dieser Zeit musste ich mich parallel weiter um einen neuen Arbeitsplatz bemühen, da mein Vertrag von 6 Monaten bald auslief. Ich fand im Anschluss tatsächlich eine - wenn auch wieder nur befristete - Arbeitstelle. Somit blieben die Gedanken um die berufliche Zukunft weiterhin im Hinterkopf.

Inzwischen war Herbst 1998 und meine ewigen Schwindelbeschwerden wurden stetig heftiger, kamen immer häufiger. Zum Arzt wollte ich nicht mehr gehen, da es angeblich alles an meinem niedrigen Blutdruck liegen würde und die Übelkeit käme von einem nervösen Magen.

Die Anzahl der Kreislauf- und Magenmittel, die ich damals regelrecht verschlungen habe, kann ich heute fast nicht mehr zählen. Irgendwann fing es an, dass ich es mir dreimal überlegen musste, wann ich denn auf der Arbeit nun endlich mal zur Toilette gehen will, da ich den Weg vom Schreibtisch bis dorthin kaum laufen konnte und es so gut es halt ging vermeiden wollte.

Eines Tages wurde mir plötzlich ganz komisch im Kopf und ich hörte auf einem Ohr gar nichts mehr. Ich hatte viel mit Publikum zu tun und verstand auf einmal fast gar nichts. Als es am Mittag nicht besser war, schickten mich die Kollegen zu einem HNO-Arzt. Sie erzählten mir etwas von Hörsturz usw. 

Ich war noch völlig unwissend. Der Arzt stellte aber so nichts fest, gab mir auch kein Medikament und meinte, erst wenn so ein Zustand noch einmal käme und über 12 Stunden andauert, könnte man Infusionen o. ä. geben.

Zu meinem Schwindel - ich konnte wieder kaum laufen - äußerte er sich gar nicht.

Kurze Zeit später musste ich erneut ins Krankenhaus, wieder mit schlechten Blutwerten. Man stellte mich von oben bis unten auf den Kopf, spiegelte Magen und Darm. Röntgte Dünndarm, Nieren, machte zig Zucker- und Bluttests und außer einer Magenentzündung - wohl wegen der vielen Medikamente - war alles nahezu in Ordnung.

So ging es noch eine ganze Weile, bis ich dann endlich einen festen Arbeitsplatz in einer anderen Behörde bekommen habe und dachte, nun bist Du diese Sorge endlich los.

So saß ich dort in meinem eigenen Büro und hätte eigentlich froh und zufrieden sein können, aber leider ging das nicht, da meine Beschwerden kontinuierlich schlimmer wurden.

Teilweise konnte ich nicht mehr am Kopierer stehen, ohne mich dabei festzuhalten, immer öfter bummelte ich Überstunden ab und musste mittags nach Hause wanken. Krank sein wollte ich offiziell nicht, da ich noch Probezeit hatte. Dennoch bekam es mein Vorgesetzter mit, dass etwas nicht stimmte und bat mich zu einem Gespräch. Er wollte keine Mitarbeiterin, die sich täglich bei der Arbeit quält und öfter fehlt. Ich sollte mich um eine Kur oder so etwas bemühen, um diesen Zustand irgendwie zu beheben.

Ich wusste ab da: der Mann hat Dich nun auf dem Kieker, nun darfst Du Dir keine Fehltritte mehr erlauben, sonst bist Du Deinen Job los.

Alle inneren Bitten und Wünsche halfen aber nichts und es ging mir weiterhin schlecht. Bis ich eines Morgens meine Hose anziehen wollte, plötzlich stürzte und nicht mehr aufstehen konnte. Zugleich aber voll bei Bewusstsein war und mir ganz übel wurde.

Meine Eltern fuhren mich zu unserem Arzt im Ort, der gleich irgendetwas von " Menière " erzählte. Ich hatte keine Ahnung, was der Mann meinte, heute weiß ich - er hat es damals als erster erkannt, was wirklich mit mir los ist .

Er überwies mich an einen HNO-Arzt. Wir fuhren wieder zu dem Arzt von damals, weil er am nächsten lag und ich kaum noch geradeaus schauen konnte.

Man spülte mir dort während meines Schwindels die Ohren. Ich konnte nicht sagen, ob mir nun schwindelig wird oder nicht, da mir der Kopf eh schon schwirrte.

Ich hätte ein Augenzucken und wohl einen Ausfall vom Gleichgewicht, teilte mir die Ärztin mit. Ich sollte 10 Tage in ein Krankenhaus und Infusionen bekommen.

Im Krankenhaus hatte ich dann plötzlich die Diagnose : Hörsturz, dabei hörte ich doch. Ich sollte versuchen mich auszuruhen, keinen Stress und keine Aufregung. Im Gegenzug legte man mich aber in ein Dreibettzimmer, darunter ein Schwerstpflegefall und eine Frau, die schnarchte wie 10 Männer. Von Ruhe und Erholung somit keine Spur. 

Auch während Infusionen bekam ich erneut einen starken Schwindelanfall. Ich sollte mich ins Bett legen. Das könnte von den Medikamenten kommen und zudem solle ich mich nicht so anstellen, wurde mir schnippisch gesagt. So stand es dann auch im Abschlussbericht.

Nach dem Krankenhaus ging es mir unverändert schlecht und ich bekam wieder Infusionen. Allerdings ambulant, aber auch die brachten keine Besserung - im Gegenteil.

Die Ärztin konnte sehen, dass ich Schwindel habe, wusste es nun aber langsam nicht mehr einzuordnen, da sich normalerweise ein Ausfall vom Gleichgewicht kompensieren würde.

Ich ergriff nun selbst die Initiative, bemühte mich endlich um diese Reha-Kur und suchte auch weitere Ärzte auf. Leider baute jeder sein Urteil auf dem des anderen auf. Keiner bemühte sich, doch nochmal eine eigene Untersuchung durchzuführen. Somit wurde die Ursprungsdiagnose i. V. mit meinen noch bestehenden Beschwerden immer unglaubwürdiger und unwahrscheinlicher. 

Man fing an, meine Psyche in Frage zu stellen. Ich sollte vielleicht eine Therapie machen.....

Auch in der Reha-Kur fühlte ich mich in keiner Weise mit meinen Beschwerden gut aufgehoben oder ernst genommen, bekam das Gefühl von " jung ist gesund" vermittelt , obwohl dort einige rüstige Rentner sogar teilweise viel leistungsfähiger waren als ich.

Im Februar 2000 wurde dann endlich (nach zig Monaten) bei einem ambulanten Termin in einer HNO-Abteilung eine neue Untersuchung durchgeführt und hier fiel nun - nach einer endlosen Zeit mit anderen Verdachtsdiagnosen - wieder das Wort " Menière" und zugleich ein Kopfschütteln über die zum Teil bisher aufgestellten Vermutungen von Kollegen.

Dennoch war es bis dato wieder nur ein Verdacht. Dieser Zustand wurde für mich irgendwann unerträglich, da ich mich mit meinen Beschwerden einfach nicht ernst genommen und ewig überfordert fühlte. Als ich später als verheultes Nervenbündel bei meinem Hausarzt vorgesprochen habe, schob er einen Riegel davor und überwies mich erst einmal stationär ins Krankenhaus, um endlich eine/die Diagnose zu stellen und auch festzuhalten.

Es war Herbst 2000. Ich bekam - nach ca. 3 Jahren seit den ersten Anfängen der Probleme - die Diagnose M. Menière gestellt/bestätigt. Inzwischen hatte ich mich damit auseinandergesetzt und wusste auf der einen Seite, was das zu bedeuten hat, auf der anderen Seite war ich aber dankbar nun endlich Klarheit zu haben.

Kurz vor Weihnachten war es, als ich plötzlich wieder auf einem Ohr nichts mehr hörte und in der Nacht dann ein lautes Rauschen hinzukam. Seither habe ich im linken Ohr einen pulssynchronen Tinnitus.

Einige Zeit später konnte ich endlich anfangen, mich mit mir und meinem neuen Leben auseinanderzusetzen. Ich wurde ruhiger, ausgeglichener und hatte sogar später die Kraft, anderen mit Rat und Tat zu helfen. Somit gründete ich im März 2001 eine örtliche Selbsthilfegruppe, engagierte mich viel in Internetforen und baute mir über die Tinnitus-Liga auch einige Kontakte zu Mitbetroffenen auf, die immer ein offenes Ohr in schlechten Zeiten haben und einen auffangen so gut es geht.

Zum Zweiten fand ich auch endlich einen HNO-Arzt, der mich - neben meinem Hausarzt - mit meinen Beschwerden ernst nimmt und Verständnis zeigt.

Was das alles schon wert ist, braucht man wohl nicht näher zu beschreiben !

Für MM - oder Tinnitusbetroffene wohl fast wie ein 6 `er im Lotto.

Ich entwickelte wieder Lebenskraft, Kämpfergeist, Selbstwertgefühl und Stärke.

Geholfen haben mir dabei die vielen intensive Gespräche mit Mitbetroffenen und eine Art "eigenes Krankheitsmanagement", was heißt:

Sich über seine Krankheit zu informieren, auf ungeklärte Fragen Antworten finden und sich selbst erarbeiten.

Nur so konnte ich wieder zu mir selbst stehen und habe auch den Mut gefunden bisweilen Kritik zu äußern, wenn ich mit Aussagen oder Taten unzufrieden bin. Besonders wenn man dadurch eventuell sogar die Chance hat, persönliche Nachteile abzuwenden oder Vorurteile zu entkräften !

Mein Kampf ist noch nicht beendet, denn gesundheitlich geht es mir weiterhin nicht gut, teilweise bemerke ich sogar Verschlechterungen und auch neue Begutachtungen und evtl. Klinikbesuche stehen wieder an.

Ich bin froh, schon einen langen Weg geschafft zu haben, aber sehe zugleich ein langes Stück, was noch vor mir liegt !

Ich wünsche und hoffe, dass nicht alle so einen Hürdenlauf bis zu ihrer Diagnose hinter sich lassen müssen ! Ich weiß aber auch, dass es noch schlimmere Geschichten gibt und daher wünsche ich allen, die sich eventuell noch am Anfang des Weges befinden, ganz viel Kraft, Ausdauer und dass sie NIE den Glauben an sich selbst und ihre Person verlieren !

Alles Gute wünscht Ihnen und Euch

Ina Scholz

 

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