Hilfe & Betreuung

Es handelt sich beim Menière um eine chronische Erkrankung mit verschiedenen Verlaufsstadien, wo der Betroffene von medizinischen, aber auch nicht-medizinischen Fachkräften auf seinem Weg betreut werden sollte.

Diese Aufgabe können u. a. der Hausarzt, ein Facharzt (HNO-Arzt oder Neurologe) und zum Teil auch Physiotherapeuten, Psychologen und Selbsthilfegruppen übernehmen. Es wäre zumindest anzustreben, denn erlernte und erlebte Kompetenz von Fachleuten und Mitbetroffenen sollten sich, wenn möglich, ergänzen.

Hände

Arzt-/Patientenverhältnis

Akute und chronische Krankheiten sind völlig unterschiedliche Formen des Krankseins. Die Kenntnis dieser Unterschiede ist eine Grundvoraussetzung für das adäquate ärztliche Vorgehen und Verhalten.

Der chronisch Leidende wird in erster Linie betreut, dem akut Kranken schnell geholfen. Diese Formen bedingen daher auch unterschiedliche Formen der Gesprächsführung und Behandlungsstrategie.

Eine akute Krankheit ist durch Fremdvertrauen und Fremdverantwortung gekennzeichnet, welche der Patient dem Arzt überträgt.

Beim chronisch Kranken dagegen ist Selbstvertrauen und Selbstverantwortung gefragt. Der Patient weist meist ein ungeheueres Informationsbedürfnis auf, was dazu führt, dass er sich im Verlaufe der Krankheit zum "Experten" entwickelt.

Oft findet man dafür die ironische Bezeichnung wie "Diplom-Asthmatiker" o. ä. Dieses "Expertentum" sollte vom Arzt akzeptiert werden und kann sogar ein positives Element der Betreuung darstellen.

Der chronisch Kranke ist in hohem Maße empfindlich gegenüber Phrasen, Halbwahrheiten oder trügerischen Hoffnungen. Oft ist dieses eine Mitursache für das berühmte "Ärztehopping".

Wichtig ist, dass der Patient keine zu hohen Erwartungen an den Arzt stellt und ihn als Wunderheiler betrachtet, sondern eher als Partner im Krankheitsprozess. Dann können Sie anhand von konkreten Beobachtungen im Verlauf der Zeit feststellen, ob sie eine gute Arztwahl getroffen haben.

Die Aufgaben und die Rolle des Arztes bei der Betreuung chronisch Kranker, könnten sein:
- Vermeidung und Überwindung von Krisen
- Kontrolle der Krankheitssymptome
- Ausarbeitung von evtl. Verhaltensweisen
- Anregungen und Hilfen sich gesünder zu verhalten

(Quelle: www.linus-geisler.de/ap/ap21_chronisch.html)

Wenn er diese Aufgaben alleine nicht erfüllen kann, so hilft es dem Patienten schon viel, wenn er Adressen oder Informationen an die Hand bekommt, wo er noch zusätzliche Hilfe erfahren könnte, neue Lebensstrategien erlernen und finden kann (eine Reha-Behandlung oder Kur, erlernen von Entspannungstechniken, Selbsthilfegruppen, psychologische Betreuung usw.) 

Viele Betroffene berichten immer wieder, dass sie lange im Wartezimmer des Arztes sitzen und dann in einem nur kurzen Gespräch mit dem Wortlaut "damit müssen sie sich arrangieren" oder "da kann ich ihnen nun auch nicht mehr helfen" abgespeist werden. Sie fühlen sich dadurch quasi alleingelassen und hilflos in ihrer - auch für sie neuen - Situation.

 

Die Konsequenzen des Internets auf das Arzt / Patientenverhältnis

Die Informationssuche und ihre Evaluation können einen großen Einfluss auf die Entscheidungen des Patienten, seinen Heilungsprozess, seinen Alltag und seine emotionale Verfassung haben. Ärzte sollten sich daher mit der Bedeutung des Internets genau auseinandersetzen und es als Werkzeug in ihre Arbeit mit den Patienten einsetzen. Über die Bedeutung des Internets gibt es noch sehr viel Unkenntnis und entsprechend große Vorurteile. Unwissen und Vorurteile führen zur Abwehr: das Internet ist schlecht oder überflüssig oder für Patienten zu komplex, es ist ungesteuert und unkontrolliert.
Inzwischen liefern Patienten Informationsmaterial aus dem Netz, das Ärzte nicht kennen. Dies löst ein hierarchisch orientiertes Verhältnis auf. Obwohl eine große Zahl an Ärzten an den Patienten als Partner glaubt, gibt es wenig konkrete Umsetzungen für ein partnerschaftliches Verhältnis. Das Internet könnte auch ein Weg dafür sein. Wenn der Patient die Suchergebnisse mit seinem Arzt teilt, können sie gemeinsame nächste Schritte planen, Alternativen diskutieren etc. Patienten werden Partner in ihrem Heilungsprozess, weil sie beteiligt werden, was wiederum eine positive Auswirkung auf die Psyche des Kranken hat. Sie sind nicht länger passive Rezipienten in einem Prozess, den sie nicht verstehen. Ärzte könnten Patienten Empfehlungen über geeignete Internetquellen aussprechen, helfen Suchergebnisse einzuordnen, sich selbst und ihren Service darstellen, ein Forum bilden etc.

Untersuchungen in den USA zeigen, dass 95 % der Ärzte Angst vor dem Internet als Patientenmedium haben, die restlichen fünf Prozent jedoch feststellen, dass sie mehr und bessere Interaktionen mit ihren Patienten haben. Aber auch Patienten müssen sich umorientieren, der Arzt ist nicht mehr "Halbgott in weiß", sondern ein Mensch mit großer Fachkenntnis, aber nicht unbegrenztem Wissen. Dies wird häufig als Enttäuschung empfunden. Die eigene Abwehr, Neues zu erlernen und Verlustängste auf beiden Seiten können dazu führen, dass das Arzt / Patientenverhältnis zunächst nicht einfacher wird.

Krankheit ist keine nur körperliche Angelegenheit, sondern eine zeitweilige Daseinsform, die alle Aspekte des menschlichen Lebens betrifft. Das Internet nimmt also nicht nur Einfluss auf die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten, es drückt auch einen generellen Wunsch der Patienten (und Ärzte?) nach Veränderung in unserer Kultur im Umgang mit Krankheit aus.

Quelle: http://www.dhmd.de/forum-wissenschaft/fachtagung01/Abstract_Forbriger.htm (offline)
 

 

 

Weitere Betreuung

Wie bereits unter dem Link "Psychosoziale Folgen" erwähnt, kann sich eine psychologische Betreuung (evtl. in Form von einer Verhaltenstherapie) für den Betroffenen durchaus als sinnvoll und nutzbringend erweisen. Die ersten 5 Gespräche können direkt mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Für weitere Sitzungen ist dann ein sogenannter "Konsilliarbericht" notwendig, der vom behandelnden Arzt und dem Psychotherapeuten bei der Krankenkasse eingereicht wird.

Auch eine Kur- bzw. Reha-Behandlung kann dem Patienten auf seinem Weg, mit dem Schwindel leben zu lernen, weiterhelfen. 

WICHTIG zu wissen:
In ganz Deutschland gibt es bisher lediglich zwei Reha-Kliniken, die von sich behaupten, ein spezielles Konzept für Menière-Patienten anzubieten.

Oftmals werden die Betroffenen von dem zuständigen Leistungsträger in eine Klinik überwiesen (sofern sie eine Rehabilitation bewilligt bekommen!), die lediglich eine spezielle Abteilung für Tinnitus vorweist und Menière einfach nur miteinbezieht.

Beides sind aber im Grunde zwei unterschiedliche Beschwerdebilder, die somit auch individueller Betreuung und Therapie bedürfen !

Tinnitus-Kliniken gibt es - im Verhältnis zu speziellen Menière-Angeboten - in Deutschland relativ flächendeckend.
Sieht man die Anzahl der gesamten Rehakliniken und die Therapievielfalt im Gesundheitsbereich auf ganz Deutschland bezogen, so kann man Menière wohl mit als "Randgruppe" bezeichnen.
Grund ist auch hier sicherlich, die im Verhältnis zu anderen chronischen Krankheiten stehende, äusserst geringe Zahl der Betroffenen.

Eine Klinik mit einem Therapieangebot für Tinnitus, kann sicherlich im Punkto Stressabbau, Erlernen von Entspannungstechniken, m. E. auch im psychologischen Bereich, einem Menière-Patienten etwas helfen und nützen; dennoch fühlt sich der Betroffene aber so sicherlich nicht voll betreut und das Konzept auf seine Beschwerden ausgelegt und angepasst.

Eventuelle Unkenntnis bei Ärzten oder Therapeuten über sein Leiden, macht ihm zusätzlich zu schaffen, da er dieses oftmals bereits aus privaten Bereichen und von zu Hause her kennt.

Er nimmt als Mitläufer das Ein oder Andere für sich aus den Therapieangeboten mit und versucht das Beste aus dem Aufenthalt zu machen. Einen M. Menière wird man kaum "wegrehabilitieren" können. Das dürfte jedem klar sein, der sich mit der Materie auseinandergesetzt hat.

Die allgemeine Verfassung des Betroffenen könnte aber gestärkt und verbessert, eine bewusstere und gesündere Lebenseinstellung vermittelt werden. Dadurch wird der Umgang mit der Krankheit m. E. besser erlernt und erste Denkanstösse werden gegeben.
Mehr Kliniken mit  s p e z i e l l e n  Therapiekonzepten für uns Menière-Betroffene wären daher sehr wünschenswert !

Mit diesem Wissen sollte man beginnen, um keine nicht erfüllbaren Hoffnungen zu wecken. Unerfüllt bringen auch sie neue Enttäuschung und Missstimmungen und das gewünschte Ergebnis bleibt aus. Gute Kliniken verfahren nach diesem Grundsatz.

Die Kehrseite dieses Aspektes sind die verschärften Gesetze und eine oft nervenaufreibende Zeit, bis - wenn überhaupt- eine Reha bewilligt wird. 
Persönliche und versicherungstechnische Voraussetzungen sowie zuständige Kostenträger einer Rehabilitation, finden sie unter dem Link: Arbeit & Soziales

 

Selbsthilfe, was ist das?

Die Arbeit der Selbsthilfe setzt dort an, wo die Bedürfnisse des Betroffenen nicht mehr von dem professionellen Versorgungssytem gedeckt werden können.

Hauptaufgabe ist es, eine Basis zu schaffen, wo der Betroffene sich mit seiner gesamten Krankengeschichte völlig verstanden fühlt. Nur Mitbetroffene können wirklich nachempfinden, was derjenige durchleben und erleben muss, welche Ängste und Gedanken ihn Tag und Nacht beschäftigen.

Vorteil ist zudem, dass der Betroffene hier ganz geballt auf Erfahrungsberichte mit Therapien (medizinisch oder alternativ), wichtige Informationen, Adressen von Ansprechpartnern und persönlich erstellten "Lebenstrategien" von Mitbetroffenen stösst.

Angehörige nutzten den Austausch innerhalb einer Gruppe mit anderen Angehörigen gleichermaßen, da auch sie im alltäglich Leben kaum einen Ansprechpartner für diese Problematik finden. Sie leiden mal mehr, mal weniger unter der Krankheit und Lebensumstellung des Partners und damit verbundenen Änderungen im gemeinsamen Zusammenleben. (Finanzielle Einbußen, Kinder, Freunde, Liebesleben etc.)

Oftmals werden auch Referenten oder Therapeuten (medizinisch oder alternativ) eingeladen, um eventuell neue Denkanreize und Möglichkeiten zu liefern, die das Leben wieder erträglicher erscheinen lassen könnten und helfen, sich mit dem Schwindel besser zu arrangieren.

Zudem gibt es viele Menière-Betroffene, die im Verlauf ihrer Jahre mit der Krankheit auch Positives berichten können. Sie haben ihr Leben umgestellt, leben nun viel bewusster, haben gelernt ihren Alltag zu organisieren, sehen viele Dinge unter einem ganz anderen Gesichtspunkt, stellen anderen Wertigkeiten und Wichtigkeiten im Leben auf, leben wieder mehr für sich als für andere, beachten auch wieder die kleinen Dinge im Leben in ihrer ganzen positiven Wirkung und Erscheinung. Oft sagen sie sogar, dass sie diese Aspekte, die sie heute so schätzen, wohl gar nicht ohne die Krankheit erkannt hätten.

Solche Äußerungen kommen den frisch Erkrankten anfangs etwas fremd vor, dennoch geben sie aber ein Stück an Hoffnung und Zuversicht zurück!

Adressen finden Sie unter dem Link: Kontakte.

Seitenanfang

Falls Sie links keine Navigationsleiste sehen: www.sh-meniere.de