Arbeit & Soziales

Nach Kaschke (1990) führt die Erkrankung bei jedem zweiten Patienten zu negativen beruflichen Konsequenzen wie

  • Wechsel in eine weniger belastende Tätigkeit (20%)
  • Verminderung der regelmäßigen Arbeitszeit (20%)
  • Berentung wegen Berufs-/Erwerbsunfähigkeit (10%)

(Quelle: Dr. Olaf Michel, M. Menière, Thieme Verlag)

Arbeit & Soziales

 

Dies hat für die Betroffenen und deren Familien oftmals finanzielle Einbußen und somit neue Probleme wie Zukunfts- und Existenzängste zur Folge.

Ein exaktes Bild liefern diese Zahlen allerdings nicht, da nicht feststeht von welcher Anzahl Menière-Betroffener hier ausgegangen worden ist.

 

Arbeitsunfähigkeit

Viele Erkrankte sind gerade am Anfang und während der ersten Schwindelanfälle nicht in der Lage, ihrer bisherigen Arbeit nachzugehen, werden oftmals über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig befunden. Arbeitsunfähig bedeutet, dass die körperliche oder psychische Lage eines Menschen es nicht zulässt, den Anforderungen der zuletzt ausgeübten Tätigkeit gerecht zu werden.

 

Krankengeld

Dauert die Arbeitsunfähigkeit über einen Zeitraum von 6 Wochen an, so beginnt hier die Zahlung von Krankengeld. Das Krankengeld beträgt 70 von Hundert des regelmäßig erzielten Arbeitsentgelts oder Arbeitseinkommens, soweit es der Beitragsberechnung unterliegt (Regelentgelt)..... (SGB V, § 47)

Insgesamt umfasst es einen Zahlungszeitraum von 18 Monaten. Wichtig zu wissen ist, dass hier auch ALLE Lohnersatzzahlungen wie die 6-wöchige Lohnfortzahlung, evtl. Übergangsgeld, bereits gezahltes Krankengeld wegen der gleichen Krankheit (innerhalb der letzten 3 Jahre) MIT angerechnet werden.

In dieser Zeit hat die Krankenkasse das Recht, den Betroffenen zu einer "Begutachtung" beim medizinischen Dienst (MDK) vorzuladen, um ein eigenes Urteil über den Gesundheitszustand zu fällen..... Zu solch einem Termin sollte man nicht unvorbereitet erscheinen, sich vorher mit einem sogenannten Sozialverband (www.sovd.de, www.vdk.de, www.dgvp.de) in Verbindung setzen und sich seine Rechte und Pflichten erläutern lassen!

Ebenso hat die Krankenkasse das Recht, dem Patienten während des Krankengeldbezuges die Auflage zu erteilen, bei dem zuständigen Rententräger (BfA oder LVA) einen Antrag auf eine medizinische oder berufliche Rehabilitation einzureichen. Die Frist beträgt hier 10 Wochen. Erfolgt bis Ende der Zeit kein Antrag, kann die Krankengeldzahlung bis zur Antragstellung ausgesetzt werden!

 

Rehabilitation

Rehabilitation

Es gilt der Grundsatz: Rehabilitation VOR Erwerbsunfähigkeit bzw. EU-Rente.

Insgesamt muss beachtet werden, dass alle o. a. Maßnahmen immer individuell beurteilt und entschieden werden (welchen Beruf übte man zuletzt aus, wie hoch war die Arbeitsbelastung, besteht noch ein Arbeitsverhältnis oder hat der Patient keine Arbeitstelle mehr etc.)

Persönliche Anmerkungen in Punkto Rehabilitation und M. Menière finden Sie / findet Ihr unter dem Link BETREUUNG & HILFE

Rehabilitation vor Rente

Wie bisher sind auch weiterhin medizinische und berufliche Leistungen zur Rehabilitation zu erbringen, wenn eine erhebliche Gefährdung der Minderung der Erwerbsfähigkeit vorliegt.

Ziel ist nach wie vor, durch diese Leistungen Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit der Versicherten oder ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu verhindern bzw. sie möglichst dauerhaft in das Erwerbsleben wiedereinzugliedern.

Die Erwerbsfähigkeit ist schon dann erheblich gefährdet oder gemindert, wenn das Leistungsvermögen in der bisherigen beruflichen Tätigkeit durch Krankheit oder Behinderung entsprechend beeinträchtigt sind.

Auch für die Bewilligung einer medizinischen oder beruflichen Rehabilitation müssen persönliche und versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein.

Träger von diesen Rehamaßnahmen können neben den Rentenversicherungen aber auch die Krankenkasse oder das Arbeitsamt sein. Dieses ist individuell und auf den Einzelfall bezogen, zu beantragen und zu prüfen.

(Quelle: Heft 5 der BfA Information, Renten an Versicherte wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, Ergänzung durch Sonderinformation der BfA, BfA aktuell: Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit)

Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit

Träger jeglicher Renten (Rente wegen Erwerbsminderung, Alters-, Witwen- oder Waisenrenten) sind grundsätzlich immer die Rentenversicherungen. Je nach Beruf also die BFA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) oder die LVA (Landesversicherungsanstalt).

Bei einem Rentenbeginn vom 01.01.2001 an gibt es NUR noch die Rente wegen Erwerbsminderung (voll oder teilweise Erwerbsminderung). Im Gegensatz zur früheren Erwerbs- u. Berufsunfähigkeitsrente kommt es bei der Neuregelung nicht mehr auf den erreichten beruflichen Status an.

Die Prüfung, ob eine andere Tätigkeit mit ähnlichen beruflichen Anforderungen verrichtet werden kann, entfällt.

Einen Berufsschutz gibt es, abgesehen von den Vertrauensschutzregelungen (Sonderregelungen, die man bitte bei seinem Rententräger erfragen müsste) für VOR dem 02.01.1961 Geborene nicht mehr.

Neben der gesundheitsbedingten Erwerbsminderung, müssen aber auch bestimmte versicherungsrechtliche Voraussetzungen vorliegen (die Vorversicherungs- und Wartezeit muss erfüllt werden). Hier kann man sich über seine persönlichen Voraussetzungen ebenfalls bei seinem Rententräger informieren.

Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

Eine teilweise Erwerbsminderung liegt vor, wenn der Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung auf eine nicht absehbare Zeit zwischen 3 bis unter 6 Stunden täglich im Rahmen einer 5-Tage-Woche unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbstätig sein kann.

Bei einer Leistungsfähigkeit von 3 bis unter 6 Stunden kann also nur noch eine Teilzeitarbeit ausgeübt werden. Somit besteht ein Rentenanspruch bei teilweiser Erwerbsminderung. Die Höhe entspricht der Hälfte einer Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Liegt allerdings eine Arbeitslosigkeit vor, gilt die Vermittlung in den Teilzeitarbeitsmarkt als verschlossen. Es besteht also keine Möglichkeit, Einkommen tatsächlich zu erzielen. In diesem Ausnahmefall wird dann die Rente wegen VOLLER Erwerbsminderung gewährt.

Rente wegen voller Erwerbsminderung

Eine volle Erwerbsminderung liegt vor, wenn der Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes nur noch weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann.

BEACHTE:

Wer - unabhängig von der Arbeitsmarktlage - unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes noch mindestens 6 Stunden arbeiten kann, ist nicht erwerbsgemindert.

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sind grundsätzlich als Zeitrenten zu leisten (1,5 - 3 Jahre).

Sie kann allerdings bei Neubeantragung vor Fristablauf verlängert bzw. erneut bewilligt werden.

Eine Rente auf Dauer kann nur gewährt werden, wenn aus ärztlicher Sicht eine Besserung des Gesundheitszustandes voraussichtlich nicht eintreten wird.

Dieses gilt nicht, wenn die volle Rente wegen des verschlossenen Teilzeitarbeitsmarktes gezahlt wird. Hier ist grds. eine Zeitrente zu gewähren, um die Arbeitsmarktlage dann erneut prüfen zu können.

Träger von diesen Rehamaßnahmen können neben den Rentenversicherungen aber auch die Krankenkasse oder das Arbeitsamt sein. Dieses ist individuell und auf den Einzelfall bezogen, zu beantragen und zu prüfen.

Beide Hefte sind kostenlos bei den Rentenversicherungsträgern zu beziehen !!! (www.bfa.de, www.lva.de) Evtl. besteht die Möglichkeit, die Informationen auch direkt online über den ACROBAT READER einzulesen.

 

Wird jeder Menière-Betroffene Invalide?

Hier kann man ganz klar sagen: NEIN ! Denn nicht jeder Menière verläuft bei allen Betroffenen gleich stark oder massiv, dass sie derart in ihrem beruflichen Leben eingeschränkt werden und ihre Arbeit sogar für eine Zeit aufgeben müssen.

Einige erleiden nur wenige Anfälle in einem Jahr und sind dazwischen nahezu beschwerdefrei. Sie fehlen also krankheitsbedingt wegen dem Schwindel nicht häufiger als andere Leute auch.

Viele Betroffene merken aber sehr wohl bei ihrer Arbeit Einschränkungen und Beschwerden, die sie entweder dazu zwingen, weniger oder sogar eine Zeit gar nicht zu arbeiten.

Die These, dass man solchen Dingen generell mit einer eventuellen Operation oder Therapie zuvorkommen kann, teile ich nicht. Es gibt (wie bereits beschrieben) KEINE sichere Garantie auf eine Besserung. Einige Patienten sind trotz dieser Maßnahmen weiterhin nicht arbeitsfähig, da es ihnen kaum besser, teilweise sogar noch etwas schlechter geht.

Auch wenn es sich nur um einen kleinen Teil handelt, sollte man dieses nicht immer unerwähnt lassen.

Die Anforderungen eines stressigen und terminreichen Arbeitsalltags an einem Menière-Betroffenen kann man nicht mit einem freien Tag (z. B. am Wochenende) vergleichen, wo Tagesablauf, Termine und Vorhaben frei nach seinen Kräften eingeteilt werden können.

Hat der Betroffene aber noch einen Arbeitsplatz inne, sollte man vor allen anderen Schritten erst noch einen sogenannten "Arbeitsbelastungstest" ins Auge fassen. Dieses ist mit Hilfe der Krankenkasse und des Arbeitgebers möglich. Man bezieht weiterhin Krankengeld, versucht aber, einen gewohnten Arbeitstag zu meistern. So gut und so lange es einem möglich ist. Auch eine stundenweise Wiedereingliederung ist möglich. Man erhält anteilig das Gehalt vom Arbeitgeber und den Rest als Krankengeld oder ggf. Übergansgeld vom Rententräger. Über die genauen Modelle informiert Sie sicherlich ihre Krankenkasse, das Arbeitsamt und die Rentenversicherung.

Dass ein Mensch nicht gleich den Antrag auf eine Rente wagt und vorher all seine Möglichkeiten versucht ausnutzen, sollte allerdings jedem Gutachter und jeder Behörde klar sein. Wenn der Betroffene dennoch am Ende diesen Schritt wählen muss, da ihm vorerst keine andere Wahl bleibt, sollte man es - wenn möglich - vermeiden, diese Menschen wie Bettelbuben oder Gattung niederer Klasse zu behandeln! Viele Betroffene empfinden dieses als würdelos und sich in ihrer Situation als hilfesuchender Mensch ohne Mitschuld zutiefst gekränkt und verletzt.

 

Infos zu diesem komplexen Thema u. a. über:

www.bfa.de 
www.lva.de 
www.arbeitsamt.de

www.sovd.de
www.vdk.de Sozial- und Patientenverbände
www.dgvp.de

www.rententips.de
www.sozialgesetzbuch.de 
        Onlinefassung des gesamten Sozialgesetzbuches
www.inkanet.de
        (auf der Page ist u. a. ein informativer Link 
         zum Sozialrecht, Schwerbehinderung usw.)

Link zum Thema Gutachten bei Erwerbsminderung in der gesetzlichen Rentenversicherung:
http://www.vdr.de/internet/...06062000.pdf

§

 

Bürgertelefon des Bundesarbeitsministeriums 

Servicerufnummern sind :

0800 - 15 15 15 0  Rente 
0800 - 15 15 15 2  Jobs für schwerbehinderte Menschen/
                          Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003 
0800 - 15 15 15 3  Teilzeit/Altersteilzeit/Geringfügige Beschäftigung 
0800 - 15 15 15 4  Arbeitslosenversicherung 
0800 - 15 15 15 5  Haushaltscheckverfahren 
0800 - 15 15 15 6  Vermögensbildung 
0800 - 15 15 15 7  Arbeitsrecht

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